Liebe Eltern, in Ihrer Familie lebt ein unverwechselbares Kind als Botschafter der Vielfalt des Lebens. Wie in der Musik, gibt es auch unter uns Menschen unzählige „Kompositionen“, die uns zu einem Unikum machen und uns unsere Individualität und Originalität verleihen. Dass jeder Mensch zu vielen Zeitpunkten seines Lebens so manche Zellen mit Trisomie 21 in sich trägt, wissen die wenigsten. Dies zeigt jedoch eindrucksvoll, dass diese Chromosomenbesonderheit Teil der sog. Normalität ist.
Vertrauen Sie im Zusammenleben mit Ihrem Kind, in seiner  Erziehung und Förderung Ihren Instinkten und Ihrem Hausverstand. SIE sind der Experte für Ihr Kind, niemand kennt es besser, als Sie, Sie schauen Ihrem Kind direkt in sein Herz! Ihr Kind braucht Ihre liebevolle Aufmerksamkeit und Zuwendung ebenso wie Ihr konsequentes NEIN zum entsprechenden Zeitpunkt. Ein Nein aus Liebe, das dem Kind Grenzen und damit Sicherheit und Struktur für sein Leben vermittelt.
Studiendaten des Center of Intervention for Children and Families der Case Western Reserve University (USA) von Gerald Mahoney belegen, dass die Möglichkeit von Eltern, das Lernverhalten ihrer Kinder zu beeinflussen mehr als 12 mal größer ist, als jene von Frühförderung und Therapie zusammen.

Kennen Sie schon SEPP? Nein, nicht den Josef von nebenan, sondern die selbsterfüllende positive Prophezeiung?
Sie beschreibt jene bejahende und aufbauende Erwartungshaltung, die Eltern ihren Kindern entgegenbringen sollten, damit diese sich optimal entwickeln können.
Haben Sie Vertrauen in die großen Ressourcen und Fähigkeiten Ihres Kindes, es wird Sie nicht enttäuschen.
Howard Gardner hat ein Modell der Vielfalt der Begabungen entwickelt, welches das breite Spektrum an Talenten und Interessensbereichen eines Menschen beschreibt. Jede Persönlichkeit stellt ein Mosaik aus den Bereichen der emotionalen, der sprachlichen, der musikalischen, der mathematischen, der bildlichen-kreativen, der naturalistischen und der körperlichen Intelligenz dar.
Begabungen lassen sich entdecken, wenn wir uns für einen Menschen interessieren und wenn wir mit Sensibilität seine Interessen beachten. Manche Menschen verfügen über ein erstaunliches Talent: Sie können andere „begaben“, sie wirken „begabend“, weil sie in der Lage sind, in Anderen Interessen zu wecken und Fähigkeiten zum Vorschein zu bringen.
Der Psychologe Heinrich Roth hat den Begriff des „Begabens“ wieder in Verwendung gebracht („begaben“ als Verb zu „Begabung“, ähnlich wie „liebkosen“ zu „Liebkosung“).

Begabende Eltern vermitteln ihren Kindern das sichere Gefühl, etwas wert zu sein, die Gewissheit, etwas zu können, mit Problemen fertig zu werden.
Woran gelingt das? Oft liegt es nur daran, dass sie sich dafür interessieren, was jemand tun möchte und was jemand sein könnte. Wenn Eltern ein solch aktives Interesse für ihr Kind entwickeln können, wirken sie „aufbauend“. Das Gegenteil davon wäre ein herabsetzendes Verhalten; es genügt aber oft schon Gleichgültigkeit oder Desinteresse gegenüber den  Vorstellungen und Ideen eines Kindes, um Begabungen verkümmern zu lassen.
Die Förderung von Begabungen hat wesentlich mit „Er-mutigung“ zu tun. Erfahrungen, die motivierend oder demotivierend wirken, bestimmen oft lange Zeit nicht nur die Interessen eines Kindes, sondern haben auch Auswirkungen auf sein Engagement und auf das Selbstvertrauen.

Vermeiden Sie weitestgehend Vergleiche mit anderen Kindern anhand von Wachstumskurven und Entwicklungstabellen.  Die Gefahr ist groß, dass Sie sich zu stark auf jene Bereiche konzentrieren, in denen sich ihr Kind gemütlicher entwickelt. Wichtig ist, dass Sie immer die Stärken ihres Kindes im Fokus haben. Hier liegen seine Talente und Begabungen begründet, hieraus schöpft ihr Kind seine Lebensfreude und sein Selbstbewusstsein. Und seine Stärken sind auch jene Bereiche, die den Nährboden für Interessen und Hobbys bilden.
Nur entspannte Gehirne können lernen! Dazu gehören eine vertraute Atmosphäre, viel Lachen und ein herzlicher persönlicher Kontakt zum Kind! Erst auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens entwickelt sich die Chance, vorwärts zu kommen und sich neuen Inhalten zuzuwenden.
Begeisterung dafür entsteht durch den eigenen individuellen Bezug zum Thema. Knüpfen Sie immer an den Interessensgebieten und Hobbys Ihres Kindes an, denn genau dort findet Identifikation statt! Wo liegt seine Sammelleidenschaft, welche Musik-, Sport-, Film- oder Comic-Idole verehrt es, was versetzt es in einen Flow-Zustand? Wenn Sie diesen Punkt finden, müssen Sie sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie Sie Ihr Kind zum Rechnen motivieren können. Die positiven Gefühle, die mit damit verbunden sind, schwappen von selbst auf die Mathematik über.
Der entscheidende Punkt ist, den neuen Lernstoff mit bereits Bekanntem aus dem Leben Ihres Kindes zu verbinden. Der Satz: „Das ist so, wie …“ kann dabei zum Türöffner ins Reich der Zahlen werden. Für mathematische Inhalte lassen sich sehr viele Bezüge zur alltäglichen und vertrauten Lebenswelt von Menschen mit Down-Syndrom finden: vom Einkaufen über das Lesen der Uhrzeit im Fernsehprogramm, die Benützung eines Mobiltelefons oder die gerechte Aufteilung der Erdbeeren unter den Geschwistern. Eigenes Taschengeld, um ins Kino gehen zu können, Selbstverdientes für einen Tagesausflug: „alles ist Zahl“, wie schon Pythagoras wusste.
Lerninhalte, die jedoch weder an schon verfügbare Wissensinhalte noch an aktuelle Lebensbezüge, Interessen und Hobbys des Lernenden mit Down-Syndrom anknüpfen können, sind ein Durchlaufposten für sein Gehirn.
Lernangebote, die von Menschen mit Down-Syndrom abgelehnt werden, docken nicht an deren Lebenswelt an.


Ihr Baby mit Down-Syndrom ist gerade unerwartet geboren worden?

 „Ausnahmezustand, Lähmung, Super –Gau, Amnesie, Out-of-order“: viele Eltern, die unerwartet ein Kind mit Down-Syndrom geboren haben, beschreiben die ersten Stunden, vielleicht Tage nach der Diagnoseübermittlung mit diesen oder inhaltsähnlichen Worten. Sie befinden sich nicht nur in einem zunächst unüberwindlich scheinenden Gefühlschaos sondern auch in einem Trauerprozess - auch, wenn es ihnen vielleicht nicht bewusst ist. Geht es doch um den Verlust des erträumten Babys, von welchem sich viele bereits ein konkretes Bild gemacht hatten. Dieser Prozess verläuft in verschiedenen Stadien, in unterschiedlichem Tempo und in individueller Intensität. Die Trauer wird meist begleitet von Wut, Schock, Verwirrung und häufig auch Schuldgefühlen.
Wie formulierte es die junge Mutter einer 6 Monate alten Tochter mit Down-Syndrom in der Beantwortung der Frage „Gibt es eine besonders bereichernde Erfahrung, die Sie im Zusammenleben mit Ihrem Kind gemacht haben?“ Nach einer entmutigenden Diagnose war ich allein mit meinem Kind, hielt sie im Arm und plötzlich wurde mir klar: ,Mein kuscheliges und schönes Mädchen, wir lassen uns nicht unterkriegen! Ich glaube an dich und will von dir lernen dürfen. Lassen wir die Leute reden, wir zwei haben eigene Pläne. Aber das sagen wir ihnen nicht…“
Liebe Eltern: Sie haben eine „special edition“ erhalten, es ist ein seltenes, wertvolles Kind mit einer Vielfalt an Begabungen!