Natürlich darf an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass sich nicht alle Kinder mit Down Syndrom in zügigem Tempo weiterentwickeln. Wie bei anderen Kindern mit gewöhnlichem Chromosomensatz auch, marschieren einige flott durchs Leben, erlernen die Kulturtechniken, kommunizieren mit anderen und entwickeln Eigenständigkeit, und andere lassen sich für alle ihre Schritte lange Zeit, gehen alles sehr gemütlich an, erlernen manches von den Bezugspersonen Erhoffte vielleicht auch nie.
Ein kleiner Prozentsatz von Menschen mit Down Syndrom lebt mit einem „Plus“, das sich vielleicht in autistischen Symptomen oder gravierenden Sinnesbeeinträchtigungen zeigt.
Gerade bei diesen Kindern ist es entscheidend, das Positive am Kind nicht aus den Augen zu verlieren! Eine Mutter formulierte es in einem ehrlichen Brief an die Redaktion folgendermaßen: „Ich war lange in Trauer über die langsame Entwicklung meines Kindes. Ich wollte alles beschleunigen und sah immer nur den nächsten Schritt, der oft wie ein Berg vor mir stand. Als mein Kind nach einer Operation zwei Wochen lang im Koma lag, wurde mir die Bedeutung der Tiefe von „Trauer“ neu bewusst. Ich bangte um mein Kind. Sein erstes zaghaftes Lächeln, als das Schlimmste überstanden war, zeigte mir die wahre Bedeutung von Entwicklung: nämlich jene der Seele. Täglich lerne ich von meinem Kind zu fühlen, zu spüren, zu atmen, zu staunen, zu leben. Mein Kind lebt oft in seiner eigenen Welt, aber diese bietet mir Rückzug, Entspannung, Besinnung, Fallenlassen. Heute warte ich nicht mehr so ungeduldig auf den nächsten Schritt, ich lasse ihn kommen. Und wir lachen gemeinsam über ihn, wenn er sich auf leisen Sohlen heranschleicht oder manchmal auch mit einem Hopser plötzlich da ist.“
Menschen mit tiefgreifenden Entwicklungsverzögerungen sind authentisch, wie sonst kaum jemand in unserer Gesellschaft. Sie sind sie selbst, mit jeder Faser ihres Daseins.

Wertvolle Fragen für Eltern:

  • Was macht mein Kind so liebenswert?
  • Bei welchen Menschen fühlt es sich wohl?
  • Bei welchen Gelegenheiten ist es fröhlich?
  • Was geschieht, wenn ich mein Kind anlächle?
  • Wie kann ich es zum Lachen bringen?
  • Womit bringt mich mein Kind zum Lachen?
  • Womit kann ich ihm eine Freude bereiten?
  • In welchen Situationen fühle ich mich selbst mit meinem Kind wohl?

„Du begegnest dem Leben mit einem Lachen, breit wie der Nil.
Dich interessiert nicht das Siegen, dich interessiert das Spiel.
Und ob du von all seinen Regeln wohl die Ausnahme bist,
weil du dich am liebsten an dir selber misst.“ (Christina Stürmer, „Mitten im Jahr“).