Im Unerwarteten und Ungewöhnlichen das Besondere zu entdecken, das lehrt uns ein Kind mit Down-Syndrom. Unerwartet sind die meisten Eltern mit der Diagnose, ein Kind mit dieser Chromosomenveränderung geboren zu haben, konfrontiert. Ungewöhnlich scheint das Leben von nun an zu verlaufen. Und doch bleibt das Allermeiste ganz normal, weil schon Weizsäcker erkannt hatte, dass es „normal ist, verschieden zu sein“.

 

In der ersten Zeit nach der Geburt ist es wichtig, alle Gefühle der Verunsicherung, der Ängste und der Sorgen zuzulassen. Denn dies öffnet langsam die Chance, die neue Situation, die vielen Eltern zunächst nicht bewältigbar erscheint, allmählich als reizvolle Herausforderung betrachten zu können.
Menschen mit Down-Syndrom lehren uns Geduld, aber auch, den Augenblick zu genießen und den Blick auf das Hier und Jetzt zu richten.

Eine liebevolle Annahme in der Familie ist die wesentlichste Voraussetzung für die positive Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom. Wenn sie bedingungslos geliebt werden, dafür, dass sie so sind, wie sie eben sind, steht ihnen heute die ganze Welt offen. Durch Inklusion in Kindergärten und Schulen, in Freizeitvereinen und auf dem Arbeitsmarkt, entwickeln sie große Selbstständigkeit, Autonomie und Eigenverantwortlichkeit. Lange Zeit wurden ihre Entwicklungspotentiale unterschätzt. Heute wissen wir, dass die meisten Menschen mit Down-Syndrom das Lesen, Schreiben und Rechnen erfolgreich erlernen können. Entscheidend sind dabei die Entwicklung spezifischer vorschulischer Fähigkeiten sowie die richtige Methode.

Die gezielte Förderung von Menschen mit Down-Syndrom setzt bereits wenige Wochen nach der Geburt ein. Teams der „mobilen Frühförderung“ besuchen das Baby zuhause, um es in der Entwicklung seiner Wahrnehmung und Motorik zu unterstützen. Manchmal kann auch eine gezielte Bewegungs- oder Sprachtherapie von Vorteil für das Kind sein. Ziel jeder Therapie und Förderung ist es, die Vielfalt an Begabungen und Talenten, die ein Kind mit Down-Syndrom ins Leben mitbringt, zu stärken.

Begabungen lassen sich entdecken, wenn wir uns für einen Menschen interessieren. Jeder von uns besitzt besondere Fähigkeiten. Und diese sind verschieden, so wie die Menschen eben auch.
Kinder mit Down-Syndrom sind häufig ausgesprochene Kommunikationstalente. Wie leicht es vielen gelingt, mit anderen in Kontakt zu kommen, ungezwungen ein Gespräch zu beginnen und Gefühle offen zu zeigen! Sie verstecken sich nicht hinter Alltagsmasken, vertrauen ihrer Intuition und leben häufig mit beneidenswerter Leichtigkeit. Es ist ihnen ein Leichtes, die Stimmungen und Befindlichkeit eines Anderen zu erspüren und darauf einzugehen, oder Mitmenschen mit ihrer Fröhlichkeit und Begeisterungsfähigkeit anzustecken. Ihre hohe soziale Begabung ist ungemein wertvoll in einer oft kühlen, distanzierten und egozentrischen Gesellschaft.

Zudem besitzen Menschen mit Down-Syndrom häufig einen wertvollen Schatz an künstlerischer, musikalischer und sportlicher Begabung. Großartige Erfolge bei den Special Olympics sind eindrucksvolles Zeugnis dafür.
Es liegt an uns allen, diese Begabungen zu erkennen und in ihrer Bedeutung wertzuschätzen.

Lassen wir uns doch ein auf den Charme und die Liebenswürdigkeit von Kindern mit Down-Syndrom! Sie sind ein wertvoller Teil des bunt zusammengewürfelten Haufens, der sich  Gesellschaft nennt. Das Besondere bringt die Vielfalt.

Einige Beispiele gefällig? Laura, eine muntere Fünfjährige mit Down-Syndrom, hat das Warten beim Arzt satt. Obwohl sie noch nicht dran kommen würde, springt sie selbstbewusst durch die offene Praxistür ins Sprechzimmer und funkelt den Arzt an: „Ich!!!“. Zehn Minuten später spaziert sie lächelnd mit ihrer Mutter wieder zur Tür heraus. Still beneidet von allen anderen, die noch immer im Warteraum sitzen.
Oder Fabian, stolze Vier mit Down-Syndrom, der Hunger hat. Leider sind alle Tische im Restaurant besetzt. Während die Großeltern enttäuscht wieder gehen wollen, nimmt der Kleine die Sache in die Hand. Rasch hat er ein freies Eckerl an einem besetzten Tisch ausgekundschaftet und drängt sich mit einem unwiderstehlichen Lächeln hinein. Die Großeltern wollen sich gerade entschuldigen, als sie ihrerseits auch die Einladung erhalten, Platz zu nehmen. Alle rücken ein wenig zusammen, bis dahin wildfremde Leute plaudern fröhlich miteinander. Mittendrin strahlt Fabian seine Grießnockerlsuppe an.

Kinder, die mit dem Down-Syndrom geboren wurden, brauchen - wie wir alle - die Liebe ihrer Familie und den Respekt all jener Menschen, die ihnen begegnen. Denn sie leben, um zu lachen und zu lernen!