„Das größte Vergnügen besteht darin, das zu tun, von dem die anderen sagen, du könntest es nicht.“ (W. Bagehot)

Sie sind Lehrerin oder Lehrer eines Kindes mit Down-Syndrom?
Neben den zahlreichen beglückenden Erfahrungen, die Sie täglich machen,
ergeben sich sicher immer wieder Fragen und Probleme.
Besondere Herausforderungen für Ihr Lehrerleben, sozusagen.

Vorab: das gemeinsame Lernen und Leben in Integrationsklassen bereichert die Entwicklung eines Kindes mit Down-Syndrom aufgrund dessen ausgezeichneter Imitationsfähigkeit enorm.

3 besondere Herausforderungen?!

  • Zahlreiche Anfragen im Institut „Leben Lachen Lernen“ beziehen sich auf Verhaltensauffälligkeiten von Kindern mit Down-Syndrom. Aggressives Verhalten den Mitschüler/innen gegenüber, kaspern, Verweigerung und Vermeidungsverhalten oder weglaufen sind einige Beispiele aus der breiten Palette an kreativen Einfällen. Vielfach sind diese Verhaltensweisen als Zeichen einer Reizüberflutung zu sehen. In einer Gemeinschaft von vielen lebhaften Mitschüler/innen stoßen Kinder mit Down-Syndrom bald an die Grenzen ihrer visuellen und akustischen Aufnahmefähigkeit. Integration bedeutet daher, sich auch zwischendurch kurze Auszeiten gönnen zu dürfen und in einem Ruheraum auftanken zu können.Wann immer es möglich ist, profitieren Kinder mit Down-Syndrom vom „Sowohl als auch“: sowohl integrative Angebote im Klassenverband als auch individuelle Lernangebote in einem ruhigen und reizarmen Umfeld. Diese Kombination lässt soziales und kognitives Lernen optimal miteinander verschmelzen.
  • Reizüberflutung ist auch bei den Arbeitsmaterialien zu vermeiden.Zu viele Details verwirren Kinder mit Down-Syndrom häufig zu sehr, sie verlieren leicht den Überblick und werden unkonzentriert. Bei Spielen, Arbeitsblättern, Büchern u. ä. gilt daher die Empfehlung: „Weniger ist mehr“. Dies erhöht die Aufmerksamkeit und steigert die Lernfortschritte.
  • Trauen Sie Ihrem Kind mit Down-Syndrom viel zu, es wird Sie nicht enttäuschen! Viele Kinder mit Down-Syndrom bewältigen auf den ersten vier Schulstufen die Anforderungen des Lehrplans für Allgemeine Sonderschule, wenn sie die entsprechenden Angebote dazu erhalten.

Das erfolgreiche Erlernen der Kulturtechniken hängt entscheidend von der Entwicklung der sog. Teilleistungen ab. Diese stellen die erste Stufe auf jener hohen Leiter dar, die die Kinder in der Schule erklimmen sollen.
Im Institut „Leben Lachen Lernen“ wird die Entwicklung „Teilleistungen“ überprüft, das Kind erhält einen individuellen Förderplan, abgestimmt auf seine Bedürfnisse. So kann es z. B. im Bereich Deutsch durch die sog. „Flash-Methode“ im Lesen und Schreiben von Ganzheitswörtern unterstützt werden.
Im Bereich Mathematik profitiert ein Kind mit Down-Syndrom vom „kybernetischen Fingerrechnen“. Die entsprechende didaktische Anleitung finden Sie auf der DVD „Rechnen mit links und rechts“, welche im Down-Syndrom Zentrum unter 03842/ 26852 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. erhältlich ist.
Ab Jänner 2012 können Sie auch die im EU-Projekt „Yes, we can!“ Materialienbox erwerben. Sie beinhält einen Holz-Rechenkoffer mit Fördermaterial zur Schulung der Basisfertigkeiten sowie den Rechenstäbchen, einem darauf abgestimmten Handbuch und einer umfassenden Lehr-DVD.
Nähere Informationen zu diesem Lifelong Learning Grundtvig-Projekt gibt es unter www.downsyndrom-yeswecan.eu.


21 besondere Herausforderungen?!

Und welchen Herausforderungen begegnen Sie als Lehrerin und Lehrer eines Kindes mit Down-Syndrom noch?
Lassen Sie sich doch ein auf ….
Spaß, Achtsamkeit, Neugierde, Offenheit, Behutsamkeit, Empathie, Fröhlichkeit, Besonnenheit, Geduld, Gemütlichkeit, Ehrlichkeit, Wissensdurst, Begeisterungsfähigkeit, Mut, Lebenslust, Aufrichtigkeit, Forschungstrieb, Eifer, Herzlichkeit, Wahrhaftigkeit, Natürlichkeit…

Und es gäbe noch so viel mehr…

Wenn Sie mit Jugendlichen und Erwachsenen mit Down-Syndrom leben und arbeiten, verlieren Sie bitte nie den Grundsatz „Use it or lose it“ aus den Augen. Gemeint ist das Gehirn. Um frühen Demenzprozessen entgegensteuern zu können, muss die Merk- und Erinnerungsfähigkeit von Menschen mit Down-Syndrom unter dem Motto „Geistesblitz mit Spaß und Witz“ ständig gefordert werden. Durch gezielte Gedächtnistrainings-Programme können Telefonnummern oder lange Einkaufslisten sicher im Kopf behalten sowie Aufmerksamkeit und Konzentration erhöht werden. Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung belegen, dass die in der Schulzeit erworbenen Fähigkeiten im Erwachsenenalter erhalten und ausgebaut werden können.


Gemeinsam spielen, gemeinsam lernen!

Kinder mit Down-Syndrom sind beliebte Spielkameraden, die das Miteinander in der Gruppe sehr genießen.

Worauf sollten wir achten?

Zeit lassen!
Kinder mit Down-Syndrom sind gute Beobachter. Viele wollen ein Spielgeschehen erst einmal in Ruhe aus einiger Entfernung verfolgen, bevor sie sich aktiv ins Geschehen einbringen. Dabei lernen sie schon sehr viel, denn rasch ahmen sie ihre Spielkollegen nach.

Immer mit der Ruhe!
Kinder mit Down-Syndrom leben ein wenig gemütlicher als so manch andere Kinder. Sie können den Augenblick intensiv genießen und auskosten. Langsamere Spiele unterstützen daher ihre Integration beim gemeinsamen Spiel.
Wenn wir einem Kind mit Down-Syndrom eine Frage stellen, kann es sein, dass es sich seine Antwort wohl überlegt und dafür einen Augenblick länger benötigt. Nicht drängen, sondern die Zeit geben, die es braucht!

 Weniger ist mehr!
Einfache Regeln helfen dem Kind, sich in einem Spielablauf orientieren zu können. Zu laute akustische Reize können es sehr verunsichern. Dies führt bei einigen Kindern zu Rückzug, bei anderen zu Verhaltensauffälligkeiten.

Allein ist auch fein!
Kinder mit Down-Syndrom wollen immer wieder einmal alleine sein dürfen. Damit schützen sie sich selbst intuitiv vor Reizüberflutung und verschaffen sich eine kurze Ruhepause. Beim Alleinspiel sind häufig kreative Selbstgespräche und Rollenspiele zu beobachten.

Wut tut gut!
Wenn beim gemeinsamen Spielen bei Kindern mit Down-Syndrom Aggressionen auftreten, muss immer zuerst an ein Zuviel an Reizen gedacht werden. Dies bezieht sich nicht nur auf akustische, sondern auch auf visuelle, und vor allem taktile Reize. Kinder mit Down-Syndrom brauchen ein wenig freien Platz um sich herum, wenn es für sie sehr eng wird, versuchen sie sich zu befreien. Manchmal können sie dabei ihre Kraft nicht richtig einschätzen und werden grob. Dies soll keinesfalls unbeachtet bleiben. Ein kurzes, klares „Nein“ und ein sofortiges, kurzzeitiges Herausnehmen aus der Gruppe setzen klare Grenzen.

Schau mich an!
Wann immer wir mit einem Kind mit Down-Syndrom sprechen, sollten wir ihm dabei in die Augen schauen. So schenken wir einander unsere volle Aufmerksamkeit und die Botschaften kommen an.
Das Sprachverständnis von Kindern mit Down-Syndrom ist meist altersentsprechend entwickelt, kurze und einfache Sätze bringen Klarheit in unsere Aussagen.
In einer Konfliktsituation keine langen Erklärungen abgeben, eindeutige Signale, wie „Nein“ reichen völlig aus. Nach einiger Zeit, wenn sich alles wieder beruhigt hat, soll mit dem Kind der Vorfall (z. B. aggressives oder streitsüchtiges Verhalten) nochmals besprochen werden. Gemeinsame Lösungsansätze entwickeln und dabei auch auf Vorschläge vom Kind warten.

Guck!
Viele Kinder mit Down-Syndrom unterstützen ihre verbale Sprache mit phantasievoller Körpersprache. Diese gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) sowie auch die Zwergensprache können wir jedoch nur verstehen, wenn wir während des Sprechens Blickkontakt halten.

„Trau einem Kind mit Down-Syndrom viel zu. Es wird dich nicht enttäuschen!“