Die pädagogische Entwicklungsdiagnostik für Menschen mit Down Syndrom vom Kleinkind bis zum Erwachsenen bildet das Herzstück der Arbeit im Down Syndrom Zentrum „Leben Lachen Lernen“.

Das wichtigste Ziel jeder Diagnostik ist das Erkennen von BEGABUNGEN, STÄRKEN und KOMPETENZEN! Ein Kind, Jugendlicher oder Erwachsener mit Down Syndrom (im Folgenden VIP, also „very important person“ genannt) besucht das Zentrum, um einen Vormittag lang gemeinsam zu leben, zu lachen und zu lernen. Begleitet wird die VIP von einem oder beiden Elternteil(en) und teilweise auch von ihren betreuenden Pädagogen. Wir empfehlen, am Vortag anzureisen, da die Diagnostiken bereits um 9 Uhr beginnen und Ihr Kind ausgeruht (und vor allem nicht reizüberflutet) sein sollte. Im wenige Autominuten entfernten Bachgasslhof in Leoben-Göss konnten wir für unsere Kunden einen Spezialpreis vereinbaren.

Wir starten um 9 Uhr!

Die Diagnostik beginnt um 9 Uhr mit einem 30 minütigen Elterngespräch. In diesem Gespräch berichten die Eltern bei einer Tasse Café von ihren Erwartungen an die Diagnostik, schildern Fragen und eventuelle Probleme und erzählen vor allem auch von den Hobbys, Stärken und Ressourcen ihrer Kinder.
In dieser Zeit arbeitet die VIP bereits im Spielzimmer für rund 2 Stunden (Pausen sind inkludiert).
Die Leiterin des Zentrums, Mag. Bernadette Wieser, und die pädagogische Mitarbeiterin Anita Hotter überprüfen mittels einer großen Auswahl an gezielten Teilleistungs-Spielen die Ausbildung der Basisfertigkeiten, welche für die Entwicklung des Lesens, Schreibens und Rechnens entscheidend sind.

Was wird beobachtet?

Bei Babys und Kleinkindern stehen das Beobachten seiner natürlichen Bewegungsmuster und seiner emotionalen und kognitiven Reife im Vordergrund.
Babys mit und ohne Down Syndrom kommen mit rund 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn zur Welt. Zu lernen bedeutet nun, diese Nervenzellen miteinander zu vernetzen, damit sie Informationen weiterleiten. Dazu können wir uns ein Telefonsystem vorstellen: 100 Milliarden Telefone ohne Telefonnetz bleiben nutzlos, erst die Verbindungen untereinander ermöglichen Kommunikation. So ähnlich funktioniert es in unserem Gehirn- jede neue Lernerfahrung schafft Netzwerke, je vielfältiger und multisensorischer desto intensiver.
Kleinkinder werden angeregt durch Angebote im sog. „Responsive Teaching“, in der Gebärdenunterstützten Kommunikation sowie dem sogenannten Flashlesen von Ganzheitswörtern. Diese Ansätze entwickeln auf der Grundlage des bei Kindern mit Down Syndrom meist ausgezeichnet entwickelten Sprachverständnisses die aktive Kommunikation des Kindes. Responsive Teaching baut ein einfühlsames und achtsames gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen den Eltern und ihrem Kind auf. Durch aufmerksame Imitation entsteht ein intensiver nonverbaler Kontakt, der auch alle verbalen Elemente, wie Lautäußerungen, Lallen oder einzelne Wörter mit einbezieht. Das sog. Spiegelneuronensystem im Gehirn des Kleinkindes legt die Basis für das Lernen am Modell. Viele Kinder mit Down Syndrom sind aufmerksame Beobachter und ahmen ihre Mitmenschen in Gestik und Mimik punktgenau nach. Dies ist ein sehr wichtiger Lernkanal und schafft optimale Voraussetzungen für den Einsatz der sog. „Gebärdenunterstützten Kommunikation“ (GuK). Fast alle Eltern lernen ihrem Kind die Gebärden „baba“ und „bitte bitte“. Auf dieser spielerischen Ausdrucksform fußt das Konzept von GuK. Gesprochene Wörter des Alltags werden von den Eltern mit Handzeichen begleitet. Dies erfordert gegenseitigen Blickkontakt und hohe Aufmerksamkeit. Allmählich übernimmt das Kind die Gebärde in seine aktive Kommunikation und ist damit, weit vor seinem verbalen Sprechbeginn, in der Lage, Bedürfnisse auszudrücken, Antworten zu geben oder Fragen zu stellen. Diese Gebärden stellen die Brücke für die gesprochene Sprache dar.
Vom Flashlesen sind bereits Kleinkinder begeistert. Meist atemlos schauen sie fasziniert auf die Ganzwortbilder, welche aus ihrem Lebensbereich stammen. So erfahren sie Sprache nicht nur akustisch sondern auch primär visuell, was eher ihrem Lerntyp entspricht.
Ziel dieses Leseangebotes ist selbstverständlich nicht, dass Kindergartenkinder das Lesen erlernen, sondern die Anregung ihrer Spontansprache, da die Kinder diese Begriffe meist rasch in ihr Alltagsleben einbauen. Dass sie das Lesen nebenbei erlernen ist ja nicht von Nachteil!

Neben den Stufen der aktiven und passiven Sprachentwicklung werden bereits im Kleinkindalter durch genaue Beobachtung Ausdauer und Aufmerksamkeit, visuelle und akustische Wahrnehmungsfähigkeit, das Körperschema, die fein- und grobmotorische Koordination sowie die allgemeine Handlungskompetenz spielerisch getestet.

Bei Schulkindern liegt die Beobachtung vor allem in der Entwicklung der Basisfertigkeiten des Lernens. Diese sog. Teilleistungen legen den Grundstein dafür, dass die Kinder in der Schule von den Angeboten zum Lesen, Schreiben und Rechnen profitieren können. Denn der erste Schultag stellt nicht die Stunde Null für den Erwerb der Kulturtechniken dar. Bereits Goethe formulierte so treffend: „Wer das erste Knopfloch nicht findet, kommt mir dem Zuknöpfeln nicht mehr zurecht.“ Oder anders ausgedrückt: wer ein Haus bauen möchte, beginnt im Keller, darauf wird das Erdgeschoß gesetzt, später der erste Stock, erst danach wird der Dachstuhl gebaut.